Projektbeispiel III Industrie

Projektbeispiel III: Förderprogramm für weibliche Potenzialträgerinnen

Ausgangslage und Zielsetzung
Ein Unternehmen aus dem MINT-Bereich hatte für sich die Aufgabe formuliert, Ingenieurinnen und weibliche Potenzialträgerinnen durch geeignete Maßnahmen gezielter zu fördern und an das Unternehmen zu binden.

Konkrete Ziele der Maßnahmen:

  • Schaffen von Akzeptanz für eine frauenspezifische Förderung
  • Erkennen und Abbau von behindernden Vorurteilen gegenüber Frauen
  • Gezielte Erhöhung von Karriere- und Erfolgschancen für weibliche Führungskräfte und Potenzialträgerinnen

Projektentwicklung und -durchführung
Da der Kunde zum Thema Frauenförderung bis dato keine Maßnahmen ergriffen hatte, entwickelten wir eine ganzheitliche Kombination aus Trainings und Workshops, die auf den folgenden drei Ebenen ansetzen:

  1. Auf der fast durchgängig männlich besetzten Entscheiderebene,
  2. bei den Führungskräften, die Frauen fördern sollen/wollen
  3. und bei den Frauen selbst.

Das Programm bestand insgesamt aus fünf Bausteinen sowie begleitenden Maßnahmen:

Baustein 1: Entscheider-Workshop

  • Zielgruppe: Oberes Management und Vertreter aus Human Resources
  • Zielsetzungen: Aufmerksamkeit und Akzeptanz für den Bedarf einer individuellen Frauenförderung erreichen. Einbindung und Unterstützung der Entscheider sicherstellen.
  • Wesentliche Inhalte:
    • Ziele und Nutzen einer frauenspezifischen Förderung
    • Wichtige berufsbezogene Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigen
    • Typische Stereotype aufdecken
    • Offene und verdeckte Regeln herausarbeiten, die es Frauen erschweren, im Unternehmen Karriere zu machen
  • Dauer: 1 Tag

Baustein 2: Genderkompetenz für Führungskräfte – Training

  • Zielgruppe: Weibliche und männliche Führungskräfte, die Frauen stärker fördern sollen/wollen
  • Zielsetzungen: Aufmerksamkeit und Akzeptanz für den Bedarf einer individuellen Frauenförderung erreichen. Die Führungskräfte erkennen ihre Rolle und Möglichkeiten als Förderer.
  • Wesentliche Inhalte:
    • Ziele und Nutzen einer frauenspezifischen Förderung
    • Wichtige berufsbezogene Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigen (Umgang mit Wettbewerb, Konflikten, Abgrenzungsthemen, Selbstvermarktung, Aufstiegsorientierung)
    • Kommunikationsunterschiede zwischen Frauen und Männern
    • Eigene Stereotype aufdecken, die zu Beurteilungsverzerrungen führen können
    • Weibliche Potenzialträger gezielter fördern
  • Dauer: 1 Tag

Baustein 3: Karrierestrategien entwickeln – Beratungsgespräch

  • Zielgruppe: Teilnehmerinnen des Förderprogramms
  • Zielsetzungen: Benennen bzw. reflektieren der eigenen Karriereziele: Hier klärten die Frauen individuell und in einem „geschützten Raum", welche berufliche Entwicklung, man könnte auch sagen „wie viel Karriere“, sie wollen. Sie machten sich ihre Stärken und Lernfelder bewusst und setzten sich mit konkreten Maßnahmen auseinander, um ihren beruflichen Erfolg aktiv zu gestalten. Um diese Reflexion gezielt zu unterstützen, wurde für jede Teilnehmerin ein Reiss Profile erstellt  und im Rahmen des Beratungsgesprächs ausgewertet.
  • Wesentliche Inhalte:
    • Die eigenen Neigungen besser verstehen
    • Eigene Motivatoren erkennen, die zu besonderen Leistungen im beruflichen Umfeld führen
    • Persönliche Stärken erkennen und für das berufliche Fortkommen nutzen
    • Persönliche Motivausprägungen und wichtige Karrieretreiber wie Machtorientierung, Durchsetzungs- und Beziehungsfähigkeit, Networking und Veränderungsbereitschaft verstehen
    • Bremsende Muster erkennen, Verhalten gezielt erweitern
  • Dauer: 3 Stunden

Baustein 4: Souveränitätstraining

  • Zielgruppe: Teilnehmerinnen des Förderprogramms
  • Zielsetzung: Durchsetzungs- und Überzeugungskraft verbessern.
  • Wesentliche Inhalte:
    • In kritischen Gesprächssituationen ruhig und bestimmt agieren
    • Klartext reden: Themen und Ziele wirkungsvoller vertreten
    • Souverän als Frau in Männer-Teams
    • Wichtige Ansprechpartner besser überzeugen und für diese „sichtbarer“ werden
    • Umgang mit weiblicher Selbstkritik: Selbstachtung und Selbstbewusstsein stärken
    • Auftritt und Wirkung verbessern
    • Sich selbst und eigene Erfolge besser vermarkten
  •  Dauer: 2 Tage

Baustein 5: Führungsstärke entwickeln – Training

  • Zielgruppe: Teilnehmerinnen des Förderprogramms mit Führungsfunktion
  • Zielsetzungen: Genderspezifische Herausforderungen in der Führung kennen und managen
  • Wesentliche Inhalte:
    • Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der Kommunikation, Führung und Positionierung
    • Umgang mit Stereotypen und Erwartungen an weibliche Führungskräfte
    • Umgang mit Macht und Wettbewerb
    • Frauen-Stärken in der Führungsposition besser nutzen
  • Dauer: 2 Tage

Das insgesamt einjährige Programm wurde von zusätzlichen Maßnahmen, wie Einzelcoachings, Mentoring und Kollegiale Beratung begleitet.

Fazit
Das Förderprogramm für weibliche Potenzialträgerinnen hat bei dem Kunden deutlich gewirkt. Durch den ganzheitlichen Ansatz wurde ein Bewusstsein und eine merkliche Akzeptanz für das Thema Frauenförderung geschaffen – bei den Teilnehmerinnen selbst, auf der Ebene der Entscheider sowie bei vielen Führungskräften – männlichen wie weiblichen. Insbesondere mithilfe der ersten beiden Bausteine konnten behindernde Vorurteile bei Entscheidern und Führungskräften herausgearbeitet und bewusst gemacht werden. Durch die Trainingsmodule und begleitenden Maßnahmen wurde den Teilnehmerinnen zudem eine kontinuierliche, individuelle Beratung geboten, durch die sie das Gelernte für ihre eigene Positionierung und Karriereplanung nutzen konnten. Sie profitierten im Mentoring vom Austausch mit den erfahrenen Führungskräften und wurden gleichzeitig für die oberen Führungsebenen als Personen und Leistungsträgerinnen sichtbarer. In den kollegialen Beratungsrunden wurde eine Vielzahl praktischer Fallbeispiele bearbeitet. Die Teilnehmerinnen lernten so zum einen sehr praxisnah und erarbeiteten sich darüber hinaus ein eigenes Netzwerk in ihrer Peer Group.