Projektbeispiel II Gesundheit

Projektbeispiel II: Professionalisierung der Führungskompetenz

Ausgangslage und Zielsetzung
Die Pflegedirektion eines deutschen Universitätsklinikums setzte sich das Ziel, ihre Führungskräfte zukünftig mehr zu fördern und in ihren Führungsaufgaben intensiver als in der Vergangenheit zu unterstützen.

Bereits durchgeführte Maßnahmen in den zurückliegenden Jahren haben zur Verbesserung verschiedener Kompetenzen beigetragen. Zur Sicherung der Leistungs- und Einsatzbereitschaft und der Bindung der Mitarbeiter sollen nun vor allem die Führungskräfte durch gezielte Trainingsmaßnahmen in ihrer Rolle gestärkt werden.

Dieses Ziel resultiert aus dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck und der immer weiter steigenden Komplexität, der alle Krankenhäuser ausgesetzt sind.

Für die Führungskräfte in der Pflege, also den Pflegedienstleitungen und den Stationsleitungen, ist es eine enorme Herausforderung, ihre Mitarbeiter auf den Stationen trotz der steigenden Erwartungen bestmöglich zu führen und auf die individuellen Belange der Mitarbeiter einzugehen und zu fördern.

Basierend auf einer Vielzahl von Führungstrainings, Teambuilding-Workshops und Konfliktmoderationen in Universitätskliniken und Allgemein-Krankenhäusern entwickelten wir ein Design aus Trainings- und Workshopelementen in denen typische Führungssituationen geprobt und verbessert werden können.

Wir nennen dieses Design „Führungsplanspiel“. Auf vorhandenen Grundlagen wurde das Planspeil speziell auf den Alltag von Pflegedienstleitungen an einer Universitätsklinik zugeschnitten und enthielt vom Auftraggeber eingebrachte Fälle, die typische Situationen aus dem Führungsalltag in der Pflege beinhalteten. Alle Teilnehmer sind während der Veranstaltung sowohl in Führungsrollen, als auch als Mitarbeiter, aber auch als Kollegen oder in der Rolle von internen Kunden aktiv.

Neben der allgemeinen Auseinandersetzung mit der Rolle und Verantwortung als Führungskraft waren elementare Bestandteile des Planspiels typische Führungssituationen, in denen eine professionelle Gesprächsführung im geschützten Rahmen trainiert werden konnte. Hierdurch lernten die Teilnehmer, Konfliktsituationen souverän und mitarbeiterorientiert zu gestalten. Besonderer Fokus lag hierbei zudem auf dem Geben von kritischem Feedback.

Nach jeder Führungssituation erhielt die Führungskraft von den ‚Mitarbeitern‘ Feedback, mit dem Ziel, das Verhalten zukünftig zu optimieren.

Die Teilnehmer sollen ein besseres Bewusstsein für die relevanten Aspekte ihrer Führungsaufgabe erhalten und zeitgleich lernen, Nachlässigkeiten oder Fehler in der Kommunikation zu vermeiden.

Projekt
Das Planspiel bestand aus mehreren Sequenzen, die untereinander ähnlich aufgebaut waren. Jede Sequenz enthielt Aufgaben für die gerade aktuell handelnden Führungskräfte, die sie entweder alleine oder gemeinsam mit ihrem Team bewältigen mussten. Die Aufgaben waren inhaltlich an die aktuellen Entwicklungsbereiche in der Pflege des Universitätsklinikums angepasst. Zur Steigerung der Dynamik und zur Übung für die Führungskraft wurden situativ Zwischenfälle aus dem konkreten Alltag eingespielt, die die Führungskraft erfolgreich lösen sollte.

Auf diese Weise entstanden im Laufe des Planspiels:

  • Ein verändertes Bewusstsein für das Thema Feedback, in dem Sinne, dass Feedbackgespräche als zielführende Führungsinstrumente gesehen werden.
  • Ein verstärktes Verständnis für die Notwendigkeiten einer professionellen Führungskommunikation als Führungskraft und Vorgesetzte(r) in schwierigen Situationen.
  • Ansatzpunkte und Verbesserungsvorschläge für verschiedene kritische Situationen im Alltag einer Pflegedienstleitung im Umgang mit Stationsleitungen und Pflegekräften.
  • Nicht zuletzt ein deutlich gesteigertes Teamgefühl, da sowohl im Rahmenprogramm, aber insbesondere auch in den simulierten Situationen Problemlösungen für alle interessierende Problemstellungen gesucht, probiert und gefunden wurden und der der Gruppenzusammenhalt darüber gestärkt wurde.

Fazit
Das Planspiel setzte sowohl auf inhaltlicher als auch auf zwischenmenschlicher Ebene viel in Bewegung. So waren die Teilnehmer anschließend sehr motiviert, die Themen aus dem Trainings-Kontext in die Realität umzusetzen. Die aufgelockerte und unbeschwerte Atmosphäre während des Planspiels förderte die Bereitschaft und Kreativität der Teilnehmer, andere Verhaltensweisen zu probieren. Zudem konnte jeder Teilnehmer für diese zwei Tage seine „echte“ Rolle im Berufsleben vergessen und mehrfach in die Rolle anderer handelnder Berufsgruppen am Krankenhaus schlüpfen. Dieser Rollentausch trug insbesondere dazu bei, dass ein bleibendes Verständnis für die Sichtweisen von Anderen entwickelt wurde. „Jetzt versteht man endlich mal, wie gut es sich anfühlt, ein so positives Feedback zu erhalten“, sagte eine Teilnehmerin am Ende des Planspiels.