Projektbeispiel II Dienstleistung

Projektbeispiel II: Planspiel interkulturelle Kompetenz

Projektbericht: Produzierende Industrie

Projektbeispiel: Interaktives Planspiel zur Simulation der Aspekte interkultureller Zusammenarbeit als unterstützende Begleitung bei der zunehmenden Internationalisierung in einem Unternehmen der Opto-Elektronik.

 

„Um Erfolg zu haben, musst du den Standpunkt des anderen einnehmen und die Dinge mit seinen Augen betrachten.“ (Henry Ford)

 

Ausgangslage und Zielsetzung
Ein weltweit führender, aktiennotierter deutscher Opto-Elektronik Konzern ist auf dem Weg, die eigene Internationalisierung deutlich auszubauen. Neben den fachlichen Kompetenzen und guten Beziehungen in den neuen Welt-Regionen, ist es vor allem wichtig, dass die Zusammenarbeit mit den internationalen Kunden erfolgreich verläuft. Dies erfordert, dass innovative Lösungen, die auf die unterschiedlichen Anforderungen und Wünsche der einzelnen Kunden zugeschnitten sind, erarbeitet und umgesetzt werden.

Bereits in den letzten Jahren haben kontinuierliche Investitionen in die Qualifikation der Mitarbeiter dazu geführt, dass die fachlichen und methodischen Kompetenzen der einzelnen Teams hoch ausgeprägt sind. Das Produkt-Portfolio ist breit gefächert und die fachliche Spezialisierung der einzelnen Bereiche weit voran geschritten. Die Internationalisierung erfordert es nun immer stärker, dass die fachlichen Kompetenzen und das hauseigene Projekt-„Know-How“ aktiv vermarktet, offensiv angeboten und vor Ort kulturspezifisch adaptiert umgesetzt werden.

Unternehmensspezifische Aufgaben wie das Führen von Verhandlungen, das Leiten von Mitarbeitern und Projekten sowie die Pflege von wichtigen Geschäftsbeziehungen sind grundsätzlich keine einfachen Aufgaben. Durch die interkulturellen Verschiedenheiten an komplexen Projekten beteiligter Personen entstehen jedoch noch weitere Herausforderungen, die das Unternehmen, die Führungskräfte und die Mitarbeiter bereits heute stark fordern.

Das Management des Unternehmens hat sich deshalb dazu entschlossen, Maßnahmen zu ergreifen, um bestmöglich den Weg in eine breit aufgestellte Internationalität zu bewerkstelligen. Einen wesentlichen Ansatzpunkt sehen das Management und die Führungskräfte in der Sichtweisen-Veränderung der Mitarbeiter, da für eine erfolgreiche Zusammenarbeit insbesondere das gegenseitige Verständnis und das Nachvollziehen unterschiedlicher Sichtweisen unumgänglich sind. Die Fähigkeit, das „Setting-in-one-other-shoes“ aktiv zu betreiben wird von allen Beteiligten als Schlüsselkompetenz für den zukünftigen Erfolg gesehen.

Um dies zu erreichen, bestand eines der Ziele des Projektes darin, den Mitarbeitern zu verdeutlichen, welche unerwarteten Hürden die Zusammenarbeit mit einer anderen Kultur mit sich bringen kann.

Den Mitarbeitern soll das gewisse Fingerspitzengefühl und die Kompetenz, sich in die Gedankenwelt anderer versetzen zu können, vermittelt werden. Hierdurch sollen aktuelle und zukünftige Verhandlungen und Projekte effizienter gestaltet und wichtige Geschäftsbeziehungen effektiver gepflegt werden können.

Projekt
In einer Simulation mit den Mitarbeitern der unterschiedlichen Führungsebenen wurden verschiedene Aspekte eines möglichen Zukunftsszenarios beleuchtet und analysiert. Dazu gehörten u.a. die Vorbereitung einer möglichen Zusammenarbeit mit Partner-Unternehmen aus einer fremden Kultur, die Umsetzung größerer Projekte auf multinationaler Ebene und die damit verbundene Auseinandersetzung mit Mitarbeitern fremder Kulturen und deren Wünsche und Ansichten. Das Ziel dieser Simulation war es, Schwierigkeiten, Hürden, Überraschungen und „aha-Momente“ zu erfahren.

Auf diese Weise entstanden in Phase I des Projekts:

  • Ein deutliches Bild der eigenen und unternehmens-/branchenspezifischen Kultur und ihrer damit verbundenen Denkweise und Art zu Handeln.
  • Ein deutliches Bild der fremden, auch unternehmens-/branchenspezifischen Kultur und die damit verbundene und uns fremde Denkweise und Art zu Handeln.
  • Ein Gefühl und Verständnis für daraus resultierende Konflikte, Hürden und Möglichkeiten.

Im Mittelpunkt von Phase II stand die Qualifizierungsmaßnahme. Begleitet durch mehrere Berater wurden im Rahmen einer Selbstreflexionsphase verschiedene Aspekte des Themas ‚interkulturelle Zusammenarbeit‘ aufgegriffen und definiert. Die daraus entstandenen Erkenntnisse wurden gruppenübergreifend zusammengefasst und zur Diskussion gestellt. Unter Anleitung der Berater wurden so Schritte, Maßnahmen und Lösungen erarbeitet, die das Grundwerkzeug einer erfolgreichen interkulturellen Zusammenarbeit bilden. Kernaspekte dieser Ausarbeitung waren:

  • Kommunikation: Unterschiede der sprachlichen Ebenen und ihre Auswirkungen.
  • Implizite Schemata und Grundüberzeugungen: geistige Abbildungen individueller Realitäten und ihre Auswirkungen auf die interkulturelle Zusammenarbeit.
  • Wahrnehmung: unsere Verhaltensweisen und ihre Wirkung auf andere.
  • Werte, Normen und Regeln: Kulturelle Eigenheiten und ihre Bedeutungen für eine Zusammenarbeit.

Fazit
Die Simulation eines „komplexen Projektes mit Kunden in anderen Kulturen“ und die darauf aufbauende Erarbeitung effektiver Maßnahmen zur Bewältigung der Hürden einer deutlich intensivierten Internationalisierung waren gekennzeichnet von vielen „Überraschungen“ und „aha-Momenten“ auf Seiten der Teilnehmer. Damit konnte der erste Schritt in Richtung einer gedanklichen Veränderung der Mitarbeiter erfolgreich erzielt werden.

Diese Kick off-Veranstaltung hat deutlich gezeigt, dass eine zweitägige Simulation viele Irrtümer und Vorurteile aufzeigen kann, an denen es sich lohnt, weiterzuarbeiten. Die daraus resultierenden Maßnahmen, als Werkzeug für die Sicherung einer erfolgreichen Internationalisierung, bilden eine gute Grundlage für bereichsspezifische Workshops, die speziell auf die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Themen, Märkte und Kulturen zugeschnitten sind. Der spielerische Charakter einer Simulation und zugleich doch die Nähe zur Realität machen die Simulation als Lehrwerkzeug so erfolgreich. Die Teilnehmer waren am Ende des Projektes nicht nur in der Lage, die zugrundeliegenden theoretischen Prozesse auf die durchlaufene Simulation anzuwenden, sondern konnten vergangene Ereignisse ihres beruflichen (Er-)Lebens in ein neues Licht rücken und so differenzierter bewerten. Den Teilnehmern wurde bewusst, dass es viel Übung erfordert, eine dauerhafte Veränderung in der Denkweise zu schaffen ohne die Vorurteile und fehlerhaften Gedankenmuster erst aufdecken zu müssen, um sie zu überwinden.

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein)